Was tun, wenn im eigenen Umfeld rechte Parolen fallen?
Was tun, wenn die Familie schwurbelt?
Politische Debatten sorgen aktuell in vielen Familien für Spannungen. Die Rhetorik der AfD ist längst im Alltag angekommen. Viele Menschen erleben Diskussionen im eigenen Umfeld, bei denen rechte Positionen offen vertreten werden. Genau dafür haben wir ein paar Argumentationshilfen zusammengestellt. Sie sollen helfen, vorbereitet zu sein, wenn politische Aussagen fallen und AfD-Positionen nicht unwidersprochen bleiben sollen.
„Die AfD ist eine ganz normale demokratische Partei.“
Nein. Es gibt einen klaren Unterschied zwischen demokratisch gewählt und demokratisch handelnd. Die AfD wurde zwar durch Wahlen legitimiert, stellt demokratische Grundwerte aber offen infrage. Die Einstufung durch den Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem ist aktuell ausgesetzt, bis ein Gericht darüber entscheidet. Die Inhalte und Forderungen der Partei sprechen trotzdem eine deutliche Sprache. Immer wieder ist von „millionenfacher Remigration“ die Rede, also der Abschiebung von Menschen, die als „nicht deutsch“ definiert werden. In Deutschland gibt es rund 220.000 Personen, die nach geltendem Recht überhaupt abgeschoben werden dürften. Viele von ihnen besitzen eine Duldung. Eine Abschiebung im von der AfD geforderten Ausmaß würde zwangsläufig Menschen treffen, die ein legales Aufenthaltsrecht haben. Diese Forderung verstößt klar gegen das Grundgesetz.
„Nur Remigration kann uns retten.“
Das Gegenteil trifft zu. Menschen dürfen nicht auf ihren wirtschaftlichen Nutzen reduziert werden. Jede Person mit Migrationsgeschichte hat eigene Gründe für ihr Leben hier. Dieser menschliche Aspekt sollte immer im Mittelpunkt stehen. Wer rein wirtschaftlich argumentiert, kommt trotzdem zu einem klaren Ergebnis. Deutschland altert, in vielen Branchen fehlen Arbeitskräfte. Migration ist keine Bedrohung, sondern ein zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Funktionierens. Rund 30 Prozent der Beschäftigten in Pflegeberufen haben eine Migrationsgeschichte. In der Lebensmittelproduktion liegt der Anteil bei über 50 Prozent. Eine Politik der massenhaften Abschiebung würde zentrale Bereiche des Landes lahmlegen.
„Die AfD kümmert sich um die kleinen Leute.“
Auch diese Behauptung hält einer Überprüfung nicht stand. Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hat die Wahlprogramme zur Bundestagswahl 2025 untersucht. Analysiert wurde, wie sich die geplanten Maßnahmen finanziell auf unterschiedliche Haushalte auswirken. Das Ergebnis ist eindeutig. Menschen mit niedrigem Einkommen profitieren kaum oder gar nicht von den Plänen der AfD. Haushalte mit hohem Einkommen werden deutlich entlastet. Das Selbstbild als Partei der sogenannten kleinen Leute passt nicht zu den tatsächlichen Auswirkungen ihrer Politik.
Diese Argumentationshilfen sollen Unterstützung bieten. Gleichzeitig gilt, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen. Diskussionen führen nicht immer zu einem Ergebnis. Manchmal sind Positionen festgefahren oder die eigene Energie reicht nicht aus. In solchen Momenten ist es legitim, ein Gespräch zu beenden oder gar nicht erst zu beginnen.

